Stadtbildvernetzte Architektur
Coburg besitzt mit dem Bürogebäude der Städtischen
Überlandwerke ein eindrucksvolles Wahrzeichen

Lübeck, Mai 2008. Eine große Außenwirkung erzielt das erste Gebäude in Deutschland mit interaktiver LED-Multimediafassade durch sein nächtliches Lichtspiel. Unscheinbarer, aber ebenso wirkungsvoll ist die Gestaltung des Innenbereichs. Sie vereinbart eine energieeffiziente Klimatisierung der Räumlichkeiten über Betonkernkühlung mit einem nachhaltig wirksamen akustischen Konzept – eine Lösung, die nicht nur gut funktioniert, sondern gleichzeitig hohe ästhetische Ansprüche erfüllt.

Der Begriff „Wahrzeichenarchitektur“ ist seit einigen Jahren in aller Munde. Vor allem in Deutschland entstehen fast schon inflationär Gebäudekonstruktionen, die sich durch eine spektakuläre Bauweise auszeichnen. Die Allianz-Arena, der Hauptbahnhof Berlin sowie die geplante Hamburger Elbphilharmonie und das neue Klimahaus Bremerhaven sind einige Beispiele dafür. Gerade Kommunen wollen damit in ihrer Region einen repräsentativen Akzent setzen und dem Stadtbild einen besonderen Wert verleihen. Die eindrucksvolle Außenhülle vor Augen lässt den Betrachter jedoch die oftmals unscheinbaren, aber intelligenten Lösungen der Innengestaltung übersehen. Ein gutes Beispiel für die ausgewogene Berücksichtigung beider Bereiche ist das neue Gebäude der Städtischen Überlandwerke Coburg (SÜC). Blickfang ist vor allem seine illuminierte Fassade. Mit über 1.749 LED-Platinen, die zur freien Farbgestaltung immer in den Dreier-Kombinationen Rot-Grün-Blau verbaut wurden, können aktuelle Ereignisse wie Handballweltmeisterschaft, Sambafestival oder Sylvester lichttechnisch aufgegriffen und individuell begleitet werden. Highlight im Innenbereich ist unter anderem die flexible und mitarbeiterfreundliche Büroraumgestaltung.

Die SÜC und ihre Tochtergesellschaften versorgen Coburg und die nähere Umgebung mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. Außerdem zeichnen sie verantwortlich für den Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs sowie des Hallen- und Freibads Aquaria.
Beengte, unorganische Grundrisse sowie innerhalb des Werksgeländes verteilt stehende Einzelgebäude machten eine Neuordnung notwendig. Dabei sollten die räumlichen Bedingungen für Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner den Ansprüchen einer modernen Innenraumarchitektur genügen und verschiedene Unternehmensteile an einem Ort zusammengeführt werden. Das Planungskonzept beinhaltete unter anderem den gleichberechtigten Stellenwert von Funktionalität und Ästhetik. Außerdem stand der Aspekt der Wirtschaftlichkeit mit einer spürbaren Senkung der Betriebskosten im Vordergrund.

 

Stadtteilgestaltend und vom Stadtteil gestaltet

Eine weitere wichtige Leitidee bei der Gebäudegestaltung ist die so genannte „stadtbildvernetzte Architektur“. Dabei werden bestimmte Merkmale, die das Stadtbild von Coburg in der näheren Umgebung des Neubaus prägen, in das Planungskonzept integriert. Gleichzeitig wirkt das neue Bürogebäude der SÜC selbst stadtteilgestaltend. Durch seine Position entlang einer Hauptausfahrtstraße ordnet es das Quartier am Anger neu und führt die Coburger Innenstadt weiter in Richtung Süden. Die Gebäudegeometrie von hundert Metern Länge, fünfzehn Metern Tiefe und vier Geschossen Höhe nutzt die zur Verfügung stehende Fläche vor allem im Sinne der Schaffung angenehmer Arbeitsplatzbedingungen optimal und fügt sich gleichzeitig harmonisch in das Gesamtbild des Quartiers. Um die Massivität dieses langen Riegels zu brechen, hat das Architektenteam das Gebäude in der Mitte diagonal zertrennt. So entsteht zudem eine Vorplatz-situation im Eingangsbereich. Ein gutes Beispiel für die vernetzte Architektur ist auch die Anbindung des neuen an den alten Verwaltungskomplex. Damit das denkmalgeschützte Backsteingebäude wie vorher seine optische Wirkung entfalten kann, wurde das dritte Obergeschoss des Neubaus zurückgesetzt und über eine Glaskonstruktion mit dem Altbau verbunden. Eine gelungene Verknüpfung von Funktionalität und Gestaltung spiegelt sich in den auskragenden

Aluminiumbalkonen wider. Sie wirken formgebend auf das Erscheinungsbild der gesamten Fassade und ermöglichen zugleich eine kostengünstige Wartung und Reinigung der Außenfläche.

Effektive akustische Lösungen trotz schallharter Flächen

Die zahlreichen im Gebäude eingesetzten schallharten Flächen wie beispielsweise Verglasungen, Fußböden und Möbel mit glatten Oberflächen wirken sich ungünstig auf die akustische Situation aus.
Das hat nachweislich negative Konsequenzen für die Gesundheit und Arbeitsleistung der Mitarbeiter. Also wurde ein Konzept erarbeitet, mit dem sich eine zuverlässige Schallkontrolle realisieren ließ.

Zunächst nahm man unter hohem Aufwand überall im SÜC-Center eine raumakustische Berechnung vor. Sie ergab, dass für jeden Raum schallabsorbierende Flächen erforderlich sind, um ein für die Mitarbeiter angenehmes akustisches Raumklima herzustellen.
Die Umsetzung dessen war eine große Herausforderung, denn die 30 Zentimeter starken Flachbetondecken sind mit Kühlwasserleitungen versehen, die im Sommer die Klimatisierung der Räume regeln. Da die Kälte zu einem großen Teil als Strahlungskälte über die Deckenflächen an den Raum abgegeben wird, würde eine vollflächige und akustisch wirksame Unterdecke
den Strahlungsvorgang verhindern. Also musste eine Lösung gefunden werden, welche die notwendigen Flächenanteile zur Schallabsorption schafft. Mit dem schwedischen Hersteller Ecophon fand sich ein Partner mit entsprechendem Know-How, der den verschiedenartigen Anforderungen des Bauherrn gerecht wurde.

Zum Einsatz kamen vertikal hängende Akustikelemente, die mit großzügigem Abstand in die mittlere Raumfläche eingebracht sind. Die filigranen, aber hoch wirksamen Absorber ermöglichen eine dezente Deckengestaltung und unterstreichen gleichzeitig die puristische offene Architektur des Gebäudes. Außerdem passt diese
Lösung ideal in das Gesamtkonzepts einer flexiblen Raumgestaltung, weil die einzelnen Elemente nur in Horizontalrichtung fixiert sind, zerstörungsfrei demontiert und danach weiter verwendet werden können.

Fazit

Das Verwaltungsgebäude der SÜC stellt eine gelungene Verbindung von repräsentativem Äußeren und mitarbeiter- und kundenfreundlichem Inneren dar. Mit dem SÜC-Center hat Coburg, aber auch die gesamte Region Oberfranken ein stattliches Wahrzeichen bekommen. Das Architektenteam hat es verstanden, den neuen Gebäudekomplex harmonisch in das bestehende Quartier einzufügen, der gleichzeitig einen besonderen Akzent darin setzt. Besonders innovativ ist neben der Illumination der 100 Meter langen und 17 Meter hohen Fassade die Innenraumgestaltung. Unter hohem planerischem Aufwand wurde ein „Human Workspace“ geschaffen, der nicht nur durch seine angenehmen Bedingungen für jeden Arbeitsplatz überzeugt und bei den Mitarbeitern hohe Akzeptanz findet. Darüber hinaus ist er auch extrem flexibel und lässt sich einem späteren Umnutzungsbedarf relativ problemlos und vor allem kostengünstig anpassen, so dass sich die Investition in eine detaillierte Innenraumplanung auf jeden Fall rechnet. Zudem wurden für die Innenräume intelligente Lösungen gefunden, die – wie zum Beispiel im Falle der akustisch wirksamen Elemente – auch ästhetischen Anforderungen Rechnung tragen.

Objektdaten:

Bauherr:

Städtische Werke Überlandwerke Coburg GmbH

Architektur:

Architekturbüro Girndt + Wagner, Coburg

in Kooperation mit Archiviva, Coburg

Haustechnik:

Ing.-Büro Technoplan GmbH, Coburg

Raumakustische Gestaltung:

Saint-Gobain Ecophon GmbH / Lübeck

Fertigstellung:

September 2006

Investitionsvolumen:

Circa 15 Mio. Euro

Gebäudekosten:

9 Mio. Euro

Nettogrundfläche:

6.600 qm, davon 5.000 qm Nutzfläche (3.500 qm Büroflächen und 1.500 qm sonstige Flächen wie Kantine oder Besprechungsräume) und 1.600 qm Verkehrsfläche.

 

 

Bildmaterial

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Spektakuläre Lightshow: Die Fassade des SÜC-Centers ist mit 1.749 LED-Platinen versehen.

                     




Foto: Ecophon

Unter dem Stichwort „stadtbildvernetzte Architektur“ fügt sich das Verwaltungsgebäude harmonisch in das Coburger Quartier am Anger ein.




Foto: Axel Wagner
Trotz schallharter Flächen herrschen in den Büroräumen des SÜC-Centers sehr gute akustische Verhältnisse. Transparente Trennwände schaffen Helligkeit und lassen die die einzelnen Arbeitsplätze größer erscheinen.


Foto: Ecophon

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In den Flurbereichen sorgen flügelförmige Schallabsorber für optisch ansprechende Abschlüsse an den Randbereichen der Lichtelemente.


Foto: Ecophon

Vertikal an der Decke angebrachte Akustikbaffeln sorgen für effektiven Schallabbau.




Foto: Ecophon
Akustikdecken und Holzlamellen mit hinterlegtem Akustikvlies verbessern die akustische Situation in den größeren Räumen wie beispielsweise hier der Kantine.


Foto: Ecophon

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Der Eingangsbereich des SÜC-Centers wirkt großzügig und repräsentativ.

Foto: Ecophon

Querschnitt durch das SÜC-Center



Foto: Axel Wagner
Grundriss 1. Obergeschoss im SÜC-Center


Foto: Axel Wagner


Kontakt:

Saint-Gobain Ecophon GmbH
Taschenmacherstraße 8
23556 Lübeck
www.ecophon.de
Tel.: (0451) 8 99 52-01
Fax: (0451 8 99 52 -44
Lutz Uttermann (-24)
lutz.uttermann@ecophon.de



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