Wohnen im Klimawandel
Sommerlicher Wärmeschutz gewinnt an Bedeutung

Erkrath, Juni 2007. Die Erderwärmung, hervorgerufen durch den Treibhauseffekt, ist mittlerweile unumstrittene Tatsache. Der Temperaturanstieg wird auch das Raumklima in Gebäuden erheblich beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, beim Hausbau Materialien zu verwenden, die eine hohe Wärmespeicherfähigkeit besitzen. Dazu befragten wir Prof. Dr.-Ing. Peter Lieblang vom Institut für Bauphysik, Baustoffe und Konstruktion der Fachhochschule Bochum.

Frage:

Durch den Klimawandel werden unsere europäischen Sommer immer heißer. Welche Möglichkeiten haben Bauherren, unabhängig von der Außentemperatur in ihren eigenen vier Wänden für ein angenehmes Raumklima zu sorgen?

Antwort:

Ein Anstieg der mittleren Jahrestemperaturen ist in vielen Bereichen zweifellos mit Problemen verbunden. Für Bauherren bringt er einen geringeren Heizwärmebedarf mit sich und die Notwendigkeit, dem sommerlichen Wärmeschutz mehr Beachtung zu schenken. Bislang wurde in der Diskussion um energieeffiziente Gebäude dem Aspekt der Wärmespeicherung in Baukonstruktionen nur eine geringe Bedeutung beigemessen. Sie ist aber von großer Bedeutung, wenn im Sommer die nächtliche Abkühlung genutzt werden soll, um an heißen Tagen nachmittägliche Höchsttemperaturen in Innenräumen zu begrenzen. Zudem lässt sich die Strahlungswärme der Sonne an klaren Frühjahrs- oder Herbsttagen als kostenlose Heizenergie zu nutzen.

Frage:

Was muss eine Wandkonstruktion leisten, damit im Inneren tagsüber und nachts eine angenehme Temperatur herrscht?

Antwort:

Ein behagliches Innenraumklima zeichnet sich vor allem durch geringe Schwankungen der Temperatur aus – und hier spreche ich sowohl von Luft- als auch von Bauteiltemperatur. Dazu muss der Wärmestrom durch die Gebäudehülle, zum Beispiel durch die Außenwände, auch bei größeren Temperaturunterschieden zwischen Innen- und Außenseite gering bleiben. Ohne Dämmung, die den Wärmestrom begrenzt, geht es also nicht. Andererseits sollen auch Wärmegewinne aus Sonneneinstrahlung nicht dazu führen, dass Innenraumtemperaturen auf unbehaglich hohe Werte steigen. Das gilt für Sommer und Winter gleichermaßen. Im Winter kann man zu hohen Innentemperaturen einfacher – nämlich durch Lüften – entgegenwirken, wobei allerdings kostenlose Heizenergie verschenkt wird. Das zweite wichtige Stichwort lautet daher Wärmespeicherfähigkeit. Hier spielt vor allem die Masse eine große Rolle. Je höher die Masse einer massiven Wand, desto mehr Energie kann sie bei gegebener Temperaturänderung speichern. Dabei wird im Frühjahr bzw. Herbst an klaren Tagen Wärme, im Sommer während der Nacht Kälteenergie gespeichert.

Frage:

Wir sprechen bisher nur von Wänden. Wie sieht das mit den anderen Teilen der Hauskonstruktion aus?

Antwort:

Natürlich gilt das gleiche für Dach, Decke und alle anderen Bauteile. Insbesondere massive Decken aus Beton sind ein exzellenter Wärme- bzw. Kältespeicher, weil die Rohdichte von Beton mit circa 2.400 kg/m3 deutlich über den Werten anderer Baustoffe liegt. Wichtig ist dabei, dass der Wärmestrom vom Gebäudeinneren nach außen minimiert wird, aber der Wärmeaustausch zwischen der Raumluft und den Innenbauteilen – also Wänden, Decken und Treppen – ungehindert stattfinden kann. Auf die Innenseite von Bauteilen gehört daher im Regelfall keine Wärmedämmung.

Mehr Informationen zum Thema sind auch unter der Internetseite der Deutschen Zement- und Betonindustrie www.beton.org zu finden.

 

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Prof. Dr.-Ing. Peter Lieblang, Institut für Bauphysik, Baustoffe und Konstruktion der Fachhochschule Bochum

Bildnachweis: BetonBild, Erkrath

Der Baustoff Beton besitzt eine hervorragende Wärmespeicherfähigkeit 
und sorgt im Sommer für ein angenehmes Raumklima in den eigenen vier Wänden.

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