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Alarmanlagen: Beim Kauf die gewünschte Leistungsklasse berücksichtigen

Funksignale fast aller Systeme der Klasse 1-2 sind unkontrolliert kopierbar, was jedoch in 99 % aller Einbruchfälle keine Rolle spielt.

25.11.2016

Niemand würde ernsthaft einen Mittelklassewagen mit einem Formel 1-Auto, einen Küchenstuhl mit einem Designsessel oder einen Pürierstab mit einer vollautomatischen Küchenmaschine vergleichen. Und doch gehören sie jeweils zur selben Warengruppe. Genau so sollte es sich eigentlich auch mit der Beurteilung von Alarmsystemen verhalten, die verschiedenen Preis- und Leistungsklassen angehören.

Äpfel mit Birnen verglichen
Die plusminus-Redaktion hat nun aber genau das letzte Woche getan: Fehlende Sicherheitseigenschaften bei preisgünstigen und beispielhaft ausgewählten Alarmanlagen bemängelt, ohne zu erwähnen, dass diese Leistungen in dieser Sicherheitsklasse (0 bis 2) gar nicht als gegeben vorausgesetzt werden dürfen. Kurz: Wer für sein Alarmsystem zur Selbstmontage nur einige Hundert Euro ausgibt, sollte nicht mit dem Leistungsspektrum einer Premiumlösung rechnen, die vom zertifizierten Sicherheitsfachmann installiert und programmiert werden muss.

Fünf bis sechs Stunden Vorbereitungszeit für zwei Minuten Einbruch?
plusminus kritisiert bei einer Auswahl günstiger Systeme, dass so genannte „Rolling codes“ nicht verwendet würden und damit das unkontrollierte Kopieren der Funksignale von Fernbedienung zur Hauptstation möglich mache. Dem Zuschauer wird der Eindruck vermittelt, dieser Vorgang des Raubkopierens und anschließend kriminellen Nutzens zur Unscharf-Schaltung der Anlage sei mit entsprechend technischer Ausstattung quasi ein Kinderspiel.

Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: Einbrüche auf Basis solcher hochkomplexen Tricks zielen in der Regel nicht auf durchschnittliche Privatwohnungen, sondern auf Objekte ganz anderer Größe ab. Denn neben fundiertem Know-how zur notwendigen Soft- und Hardware muss sich der Einbrecher

  • ein abgesichertes Objekt suchen,
  • auf die Lauer legen,
  • die Unscharf-Schaltung der Anlage per Fernbedienung durch den Eigentümer abwarten,
  • genau im richtigen Moment die Signale kopieren
  • und zu einem neuen Zeitpunkt, wenn wieder keiner zuhause ist, selbst zum Ausschalten des Systems nutzen.

Erst dann kann der reguläre Einbruch in das Objekt mit Brecheisen & Co beginnen. 

Ist ein Alarmsystem von Blaupunkt installiert, besteht jetzt immer noch die Gefahr gestört zu werden, weil der Hausherr von der Kontrollfunktion Gebrauch macht, und jedes Mal per SMS oder Push-Nachricht darüber informiert wird, sobald sich der Anlagenstatus verändert.

An der Realität vorbei kritisiert
Erfahrungsgemäß hat dieses Szenario nichts mit 99 Prozent der täglich stattfindenden Einbrüche dieser Kategorie zu tun. Wer sich dennoch vor dieser Art geplanter Einbrüche schützen möchte, muss auf die Verwendung von Fernbedienungen verzichten oder auf Systeme höherer Sicherheitsklassen und damit auch höherer Preise und umfangreicher Installationsaufwendungen zurückgreifen.

Die von plusminus getestete Alarmanlage SA 2500 zählt bereits seit September 2016 nicht mehr zum aktuellen Programm des Herstellers. „Das vergleichbare Modell SA 2700 (mit zusätzlichem Display und einer Tastatur an der Zentralstation) zählt zu Recht zu den meist verkauften Modellen unseres Sortiments. Denn hiermit erhalten Privathaushalte ein umfangreiches Leistungsprogramm inklusive Schutz vor Störsendern („Jamming“), Sabotageschutz der einzelnen Komponenten sowie Bewegungsmelder, die weitestgehend gegen Fehlalarme resistent sind. Diese Sicherheitsfaktoren sind aus meiner Sicht viel stärker auf reale Gefahrensituationen abgestimmt als eine Funkverschlüsselung (Rolling Code). Abgesehen davon bin ich sicher, dass in absehbarer Zeit wieder öffentlichkeitswirksame Kritik an vermeintlich technischen Schwachstellen bei preislichen Einstiegsmodellen aufkommt, die bei genauerer Betrachtung nicht der zugrundeliegenden Sicherheitsklasse gerecht wird“, so Adrian Porger, Geschäftsführer bei der Azure Security & Care UG.

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Bilder: Blaupunkt
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